Sonntag, 27. Februar 2011

Lindenstrasse, Folge "Bierschläger", 27.2.2011, ARD

"Orkan, wenn du dich nicht änderst, dann bist du gefickt!" (Murat zu seinem Neffen) Was für ein Schluss-Satz, Lindenstrasse zur Zeit grosse Empfehlung: die Rassismus-Diskussion spaltet die Beziehungen (Iffi-Klaus), die Ideologien kochen hoch, persönliche Betroffenheit wird postwendend zu ausgewachsenem Alltagsrassismus. Und dazu gabs noch eine herrliche Montagesequenz: Einblicke in die abendlichen Schlafzimmer und Küchen, von der Häuserfront aus gefilmt.

Big Love, Staffel 5, Folge 1+2 (USA 2011, HBO)

So, nun müssen sie also out in the open leben, die sündigen Polys. Interessant, wie aus der ex-negativo Perspektive die in den ersten vier Staffeln ausbuchstabierte "Epistemologie des Verstecks" (nach Kosovky-Sedgwick) konturiert wird: wer offen seine "Andersheit" lebt, hat natürlich auch mit offen geäußerten Ressentiments zu kämpfen (surprise!); diejenigen, die selbst in the closet leben, sind oft diejenigen, mit den grössten Phobien (internalisierte Polyphobie); schliesslich: die Grenzen der eigenen Existenz, die im Versteck durch die genau gezogene Grenze zur Öffentlichkeit gezogen wurde, muss neu verhandelt werden. Worin besteht nun diese Existenz und Identität, wenn nicht aus der Logik des Versteckens? Wer würde da nicht zu den angestammten Problembewältigungsstrategien greifen: Weinflasche (Barb), Gemeinheit (Niki the Snake), Verleugnung ("all-will-be-fine-Marge"). Big Love ist in vielerlei Hinsicht höchst interessant - die Art und Weise, wie Identitätspolitik verhandelt wird, ist jedoch für eine queere Perspektive mit Sicherheit die Spannendste - weil so wohl bekannte...

Samstag, 26. Februar 2011

Lindenstrasse, Folge 1316 "Rauer Wind", 20.2.2011, ARD

Die Darstellung von Orkan (nomen omen est) ist selbstverständlich rassistisch: bedient jedes Klischee, das über "good-for-nothing" Teenagers mit (türikischem) Migrationshintergrund jemals geäußert wurde. Dass die Figur allerdings so dermassen holzschnittartig gezeichnet ist, lässt auf eine dekonstruktive Strategie der LS-AutorInnen schliessen: die Serie zeigt, wie das rassistische BILD eines post-migrantischen deutschen Teenagers in einem medialen, gesellschaftlichen Zusammenhang hergestellt wird. Take your pick...

Donnerstag, 24. Februar 2011

Boardwalk Empire, 1. Staffel, 13 Folgen (USA 2009, HBO)

Während des Kanarien-Urlaubs konnte ich feststellen, dass die wunderbare von Scorsese produzierte Serie im spanischen Fernsehen scheinbar non-stop ausgestrahlt wird: immer, wenn ich den Hotelzimmerfernseher einschaltete, war da Steve Buscemi in einem seiner outrageous Anzügen zu bewundern. Der Boardwalk von Las Palmas bekam irgendwie gleich eine neue Dimension.
http://www.hbo.com/boardwalk-empire/index.html#/boardwalk-empire/inside/extras/extras/inside-boardwalk-empire.html


Lip Service, Staffel 1, 6 Folgen (BBC Three, UK 2010)

L-Word made in Glasgow. Schon alleine die fehlende CalifornIdiomatik holt die Figuren viel mehr auf den Boden der Realität - oder scheint es nur so, weil sie British, also Europäischer sind? Die Damen (und Herren) werden auch viel mehr dabei gezeigt, wie sie ihr Brot verdienen müssen, und das ist in Glasgow wesentlich weniger glam als in L.A.: erfolglose Schauspielerin mit Gelegenheitsjobs, gemobbte Architektin, talentierte Fotografien, geoutete Polizistin, ein Schriftsteller am Sprung zur Veröffentlichung...
Wirklich nervig ist eine der drei Protagonistinnen, Frankie, und ihr ewig tiefgründiges, leidendes, non-commitment-i-fuck-everybody-because-i-am-so-sad getue: da hatten wir wirklich mit shane schon ad infinitum ausgereizt.
Dass Lip Service - wie The L-Word - in nächsten Staffeln vom relativ harmlosen Beziehungs-Drama zu einem gewagteren Format finden wird (L-Words 5. Film-in-Serie Staffel) ist unwahrscheinlich: fehlender glam heisst wohl auch zu viel bierernsthaftigkeit...