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Sonntag, 27. Februar 2011

Big Love, Staffel 5, Folge 1+2 (USA 2011, HBO)

So, nun müssen sie also out in the open leben, die sündigen Polys. Interessant, wie aus der ex-negativo Perspektive die in den ersten vier Staffeln ausbuchstabierte "Epistemologie des Verstecks" (nach Kosovky-Sedgwick) konturiert wird: wer offen seine "Andersheit" lebt, hat natürlich auch mit offen geäußerten Ressentiments zu kämpfen (surprise!); diejenigen, die selbst in the closet leben, sind oft diejenigen, mit den grössten Phobien (internalisierte Polyphobie); schliesslich: die Grenzen der eigenen Existenz, die im Versteck durch die genau gezogene Grenze zur Öffentlichkeit gezogen wurde, muss neu verhandelt werden. Worin besteht nun diese Existenz und Identität, wenn nicht aus der Logik des Versteckens? Wer würde da nicht zu den angestammten Problembewältigungsstrategien greifen: Weinflasche (Barb), Gemeinheit (Niki the Snake), Verleugnung ("all-will-be-fine-Marge"). Big Love ist in vielerlei Hinsicht höchst interessant - die Art und Weise, wie Identitätspolitik verhandelt wird, ist jedoch für eine queere Perspektive mit Sicherheit die Spannendste - weil so wohl bekannte...

Donnerstag, 24. Februar 2011

Lip Service, Staffel 1, 6 Folgen (BBC Three, UK 2010)

L-Word made in Glasgow. Schon alleine die fehlende CalifornIdiomatik holt die Figuren viel mehr auf den Boden der Realität - oder scheint es nur so, weil sie British, also Europäischer sind? Die Damen (und Herren) werden auch viel mehr dabei gezeigt, wie sie ihr Brot verdienen müssen, und das ist in Glasgow wesentlich weniger glam als in L.A.: erfolglose Schauspielerin mit Gelegenheitsjobs, gemobbte Architektin, talentierte Fotografien, geoutete Polizistin, ein Schriftsteller am Sprung zur Veröffentlichung...
Wirklich nervig ist eine der drei Protagonistinnen, Frankie, und ihr ewig tiefgründiges, leidendes, non-commitment-i-fuck-everybody-because-i-am-so-sad getue: da hatten wir wirklich mit shane schon ad infinitum ausgereizt.
Dass Lip Service - wie The L-Word - in nächsten Staffeln vom relativ harmlosen Beziehungs-Drama zu einem gewagteren Format finden wird (L-Words 5. Film-in-Serie Staffel) ist unwahrscheinlich: fehlender glam heisst wohl auch zu viel bierernsthaftigkeit...