Grossartig! Endlich eine ORF Serie, die die Genrebezeichnung verdient, erdacht nach dem HBO Vorbild mit Edie Falco: Wir befinden uns im AKH, die wunderbare Innenarchitektur mit Farbleitsystem und Fahrstegen gibt Mad Men artige Serieninterieurs, ein ausgeklügeltes Lichtsystem schafft den ganz spezifischen Look (irgendwas zwischen Postmoderne und Osteuropa-Charme), die (wenigen) Aussenaufnahmen zeigen ein durch und durch klischeefreies Bild vom Wiener Gürtel (keine Strizzis, kein Rotlicht, kein Wiener Schmäh).
Zur Handlung: Jackie, Oberschwester im ER des AKHs führt ein strenges Regiment. Ihre Schwestern und Pfleger verehren sie (keine ist so tough, so kompetent), fürchten sie und lieben sie. Ihre Lebensgefährtin (Richie) ist Assistenzärztin (sexy, immer in Prada und Jil Sander gekleidet), was die Beziehung spannend hält. Jackie hat eine Affäre mit dem AKH-Geschäftsführer, eine berufliche Überlebensnotwendigkeit, da Jackie dunkle Geheimnisse hat, die nach und nach vor den ZuschauerInnen gelüftet werden. Leider auch nach und nach vor Richie.... . Wesentlicher Handlungsbackdrop für die Beziehungsgeschichte ist allerdings der Mikrokosmos des AKH, der Spagat zwischen High-Tech-Medizin, internationalen Top-ExpertInnen, die dort Arbeiten, und österreichischem Kleinmut: immer noch verbotene IV-Fertilisation für unverheiratete Frauen (1 Folge auf der Gyn), Budget-Cuts im Bildungssystem (3 Folgen in den Hörsälen der Krankenschwesternschule), Glass Ceiling (Richie will selbstverständlich Oberärztin werden) usw.
Nach jahrelangem finanziellen, politischen und szeneintriganten Investment - man musste verhindern, dass Drehbuchflaschen wie Felix Mitterer, Götz Spielmann oder Dany Krausz in die Nähe der Serie kommen - ist es nun soweit, die erste Staffel ist nahezu fertig produziert und zur Ausstrahlung bereit. Regie führten Größen wie Sabine Derflinger, Barbara Albert, Katherina Mückenstein, Jessica Hausner u.v.a. Die Serie, und das ist das wirklich erstaunliche, nimmt ihre Gegenstände Ernst und handelt diese unter Verzicht auf den ansonsten so überaufdringlichem österreichischen "Schmäh" ab. Der Humor der Serie ist hochschwellig, intelligent-ironisch und teilweise brutal. So muss öffentlich-rechtliches Fernsehen sein. Chapeau!
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