Donnerstag, 11. August 2011

Neue Serie: Jackies Schwestern (ORF, ab März 2012)

Grossartig! Endlich eine ORF Serie, die die Genrebezeichnung verdient, erdacht nach dem HBO Vorbild mit Edie Falco: Wir befinden uns im AKH, die wunderbare Innenarchitektur mit Farbleitsystem und Fahrstegen gibt Mad Men artige Serieninterieurs, ein ausgeklügeltes Lichtsystem schafft den ganz spezifischen Look (irgendwas zwischen Postmoderne und Osteuropa-Charme), die (wenigen) Aussenaufnahmen zeigen ein durch und durch klischeefreies Bild vom Wiener Gürtel (keine Strizzis, kein Rotlicht, kein Wiener Schmäh).

Zur Handlung: Jackie, Oberschwester im ER des AKHs führt ein strenges Regiment. Ihre Schwestern und Pfleger verehren sie (keine ist so tough, so kompetent), fürchten sie und lieben sie. Ihre Lebensgefährtin (Richie) ist Assistenzärztin (sexy, immer in Prada und Jil Sander gekleidet), was die Beziehung spannend hält. Jackie hat eine Affäre mit dem AKH-Geschäftsführer, eine berufliche Überlebensnotwendigkeit, da Jackie dunkle Geheimnisse hat, die nach und nach vor den ZuschauerInnen gelüftet werden. Leider auch nach und nach vor Richie.... . Wesentlicher Handlungsbackdrop für die Beziehungsgeschichte ist allerdings der Mikrokosmos des AKH, der Spagat zwischen High-Tech-Medizin, internationalen Top-ExpertInnen, die dort Arbeiten, und österreichischem Kleinmut: immer noch verbotene IV-Fertilisation für unverheiratete Frauen (1 Folge auf der Gyn), Budget-Cuts im Bildungssystem (3 Folgen in den Hörsälen der Krankenschwesternschule), Glass Ceiling (Richie will selbstverständlich Oberärztin werden) usw.

Nach jahrelangem finanziellen, politischen und szeneintriganten Investment - man musste verhindern, dass Drehbuchflaschen wie Felix Mitterer, Götz Spielmann oder Dany Krausz in die Nähe der Serie kommen - ist es nun soweit, die erste Staffel ist nahezu fertig produziert und zur Ausstrahlung bereit. Regie führten Größen wie Sabine Derflinger, Barbara Albert, Katherina Mückenstein, Jessica Hausner u.v.a. Die Serie, und das ist das wirklich erstaunliche, nimmt ihre Gegenstände Ernst und handelt diese unter Verzicht auf den ansonsten so überaufdringlichem österreichischen "Schmäh" ab. Der Humor der Serie ist hochschwellig, intelligent-ironisch und teilweise brutal. So muss öffentlich-rechtliches Fernsehen sein. Chapeau!

Dienstag, 9. August 2011

Neuer Begriff: Serientrauer(arbeit)

Neulich, bei mir zu Hause: Ich sah die letzte Folge der fünften Staffel meiner Sommerserienlektüre, Friday Night Lights http://www.imdb.com/title/tt0758745/, an. Titel der Episode: "Always" (sic!). Während der 10minütigen amerikanischen Montage, die nahe allzu Figuren, die jemals in der Serie aufgetreten sind, nochmal Revue passieren lässt, heulte ich Rotz und Wasser. Während der Schlusstitel fühlte ich mich leer. Verlassen. Traurig.
Nie wieder würde ich Coach Eric Tayler bei seinen Pep Talks für die Teenie-Footballer beobachten, nie wieder seiner schöne, perfekte, kompetente, und nur manchmal in ihrer Hausfrauenpsychologie nervenden Tami bewundern. Nie wieder würde ich meinen love-interest Tyra (sie musste ohnehin in der dritten Staffel aussteigen. Warum??) anschmachten können, nie wieder die pickeligen Jungs, die sich vergeblich um sie bemühen, verachten können. Ich werde nun nie erfahren, wie Erics und Tamis Tochter Julie die Universität übersteht, ob sie mit Matt wirklich zusammenbleiben wird und wann sie schwanger wird (schon im 1. oder erst im 2. Semester?). Ich werde nicht erfahren, ob Buddys Sohn ("Buddy Jr.") sein Drogenproblem in Texas auskurieren könnte, und vor allem werde ich nicht wissen, wie Tims Haus aussehen wird, das er grade zu bauen beginnt. Ganz zu schweigen davon, wie das neue super-Team (the best of the Lions and the Panthers) bei den High-School-State-Championships abschneiden wird.
Ich werde mir diese Serie definitiv nicht mehr anschauen (ist mir überhaupt unverständlich, dieses Re-Visioning; doch dazu ein andermal), damit ich dieses Trauma der letzten Folge (sie heisst "Always" - ich muss es nochmal sagen) nicht nochmal durchstehen muss.
Ich muss, bis ich eine neue Serie starte, auch einige Zeit verstreichen lassen. Kann FNL nicht gleich mit was anderem ersetzen.
Dass die serielle Erzählweise trotz des Medienwechsels seit dem 17. Jahrhundert (oder schon seit viel früher) die selben Emotionen bei den addicts zeigtigt, ist erstaunlich. Dass diese Erkenntnis bei der Trauerarbeit nicht viel nützt, ist jedoch schmerzlich.