Mittwoch, 2. Januar 2013
Sex auf Vorrat: Parade's End
BBC2's Verfilmung von Ford maddox Fords Abrechnung mit den Tories der 1910er Jahre (tolles Script von Tom Stoppard) beginnt mit einer Serie heißer sexszenen, die in den herrlichen Kostümen der Britisch Upper Class besonders gut kommen. Insbesondere das spontane Stelldichein im Zugabteil zwischen Christopher und Sylvia scheint auf viel derartiges Kommendes zu deuten. Dass der Protagonist seine Geliebte, die Sufragette, dann drei Staffeln nicht einmal küssen wird, ist daher unvermutet. Umso wichtiger der Sexeinstieg in den 5 Teiler. So ist man sich des leidenschaftlichen aber so very british style unterdrückten Begehrens in der visuellen Erinnerung gewiss. Ein dramaturgischer Kunstgriff, der mit Lars van Triers Anfangssequenz von Antichrist ein filmhistorisches Referenzbeispiel bekommen hat.
Borgen, endlich
Nachdem alle borgen schon gesehen haben, beginnt nun auch endlich diese seriensüchtige damit. Schön, wie die ganzen Schweden- und Dänen Krimis auch hierzulande ein Personal von SchauspielerInnen bekannt gemacht haben, die man in borgen wiedersieht. Schön auch, wie flott die Dialoge geschrieben sind, Westwing lässt Grüßen. Dass die stilistisch visualisierte Realitätsnähe zu wünschen übrig lässt, ist vielleicht dem serienbeginn geschuldet und der noch nicht ganz eingetretenen Suspension of Disbelief: dass sich ein Premierminister derart ohnmächtig von einer VISA-Kartenrechnung zu Fall bringen lässt, dass eine Parteiführerin noch nicht weiß, dass Verhandlungsführung vom Kopf des Tisches unternommen werden muss, und dass ihr Good Husband für jede Stresssituation nicht nur gute Ratschläge (die eigentlich in ihrem Parteiprogramm stehen müssten, zB dass sich Frauen bei Jobinterviews unter ihrem Wert verkaufen) sondern auch noch authentisch wirkende Sexangebote parat hat, ist schon ziemlich krass gebrochene Verisimilität der kulturellen Wirklichkeit der Serie. Aber lets see. Die Lust aufs weiterschauen ist dennoch groß.
Abonnieren
Kommentare (Atom)