Mittwoch, 27. April 2011

Neuer Begriff für die TV-Serienanalyse: PILOTING

Ist es denn überhaupt noch möglich, einen Überblick zu bewahren, über die vielen vielen Serien, die es gibt? Und wie ist es möglich, eine informierte Entscheidung zu treffen, auf welche Serie man sich einlässt und welche man links liegen lässt? Meist folgt man der Mundpropaganda geschätzter Serienafficionados (die einen dann auch gleich mit der nötigen hardware versorgen!) oder sachdienlichen Hinweisen der vertrauenswürdigen TV-Berichterstattung. Dennoch, mit dem Serientipp verhält es sich ein wenig so wie mit dem Doktortipp: was (wer) für die einen gut funktioniert, tut den anderen nicht gut.
Dagegen hilft nur eins: Piloting. Zu Verkaufszwecken produziert funktioniert der Serienpilot - also die erste Folge einer Serie - ähnlich wie die Eröffnungssequenz eines Spielfilms. Dramaturgisch dicht erzählt, das Figurenarsenal ausbreitend, voller erzähltechnischer Plantings. Ein Pilot enthält die stilistische Grammatik einer Serie, was den visuellen Stil, aber auch den filmischen Stil im Allgemeinen betrifft: wie wird Musik verwendet, welchem Realismuseffekt huldigt die Serie (Kostüme, Ausstattung, Sprache), aus welcher Liga stammt der Cast, welche generischen Regeln der kulturellen Wahrhaftigkeit werden gelten? Feel good? Feel Bad? Haben wir als ZuschauerInnen Wissennsvorsprung gegenüber den Figuren? (Breaking Bad) Oder nimmt uns der Protagonist/die Protagonistin mit auf die Erkundungsreise? (Rubicon)
Komparatives Piloting wird ein Sichtungsverfahren genannt, bei dem mehrere Piloten in einer Sitzung vorgeführt und diskutiert werden. Sehr zu empfehlen! Denn wer will schon in eine Serie reinkippen, und bei der 4 Staffel draufkommen, dass die Serie eigentlich die Zeit gar nicht wert ist, die man schon investiert hat...

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